Foto: Schneemänner

Abschiedszauber Nr. 2: Zieh Bilanz und schließe Frieden

Silvester gibt es nicht. Eigentlich. Es ist keine Realität, die wir sehen oder greifen könnten. Warum haben sich die Menschen dann so etwas ausgedacht? Denn auch in Ländern, die ein anderes Datum haben für den Jahreswechsel – auch dort gibt es ihn, diesen imaginären Markierungspunkt: bis hierher alt, ab jetzt neu.

Silvester ist wie der Punkt am Ende eines Satzes. Ja, wir könnten auch einen Text ohne Satzzeichen lesen, aber das wäre doch recht mühsam. Da fehlt die Gliederung, der Rhythmus, der offensichtliche Sinnzusammenhang. Mit Punkten, Ruf- und Fragezeichen finden wir uns leichter zurecht, die Interpunktion schenkt uns einen mühelosen Überblick.

1. Nimm den Jahreswechsel als Punkt.

Dieser Satz aus 365 Tagen ist nun fast abgeschlossen. Schau zurück und lies ihn noch einmal: Was hast du 2014 in dein Lebensbuch geschrieben? Womit hast du deine Tage gefüllt? Jetzt ist es Zeit, Bilanz zu ziehen.

Hier schenke ich dir ein kleines Set an nützlichen Fragen dafür. Du kannst sie dir ganz allgemein stellen oder, wenn du mehr Zeit in die Auswertung investieren möchtest, jeweils für verschiedene Lebensbereiche (z.B. Gesundheit, Liebe, Familie, Beruf, Finanzen, …):

  • Mit welchen Wünschen, Erwartungen und Zielen bist du in dieses Jahr gestartet?
  • Was davon hast du erreicht?
  • Was hast du getan, um das zu erreichen? Wie ist es dir gelungen?
  • Wo kannst du Teilerfolge verbuchen? (Dein Ziel hast du zwar noch nicht erreicht, dich aber – wenigstens einen winzigen Schritt – in die richtige Richtung bewegt.)
  • Welchen Zielen bist du überhaupt nicht näher gekommen oder hast dich sogar von ihnen entfernt?
    > Wie geht es dir damit? Willst du das Ziel aufgeben? (Halleluja, genieße die Befreiung!)
    > Willst du es noch einmal anpacken? Mit welcher Strategie und Unterstützung?
    Was willst du anders machen als letztes Jahr, damit du diesem Ziel näher kommst?
  • Stell dir jemanden vor, der oder die mit dem liebevollsten Blick, den du dir ausdenken kannst, auf dein Jahr 2014 zurückschaut: Was würde er oder sie dir Anerkennendes und Ermutigendes sagen?

2. Wein doch mal!

Oder tu, was immer du sonst brauchst, um angemessen um alles Nichterreichte, Fehlgeschlagene und Unbefriedigende zu trauern, das dir bei diesem Rückblick bewusst wird.

Wieso trauern? Weil es dir hilft, mit dir Frieden zu schließen. Erst das macht den Weg frei, damit du unbelastet ins neue Jahr gehen kannst.

Nach Marshall Rosenberg ist das Trauern, nach dem empathischen Einfühlen, der zweite, übergeordnete Schritt in jedem seelischen Heilungsprozess:

Lasst uns den Unterschied zwischen Trauern und Entschuldigen näher anschauen. Entschuldigungen basieren auf dem moralischen Urteil, dass das, was ich tat, falsch war und dass ich dafür leiden sollte. Ja, ich sollte mich sogar dafür hassen. Das ist etwas radikal anderes als zu trauern. Trauern basiert auf Bewertungen, die dem Leben dienen. Habe ich meine eigenen Bedürfnisse erfüllt? Nein. Welches Bedürfnis habe ich also nicht erfüllt?

Wenn wir in Verbindung mit unseren unerfüllten Bedürfnissen sind, dann fühlen wir niemals Schuld, Scham, Ärger über uns selbst oder Depressionen. Solche Gefühle steigen in uns auf, wenn wir denken, dass wir etwas falsch gemacht haben. Aus den unerfüllten Bedürfnissen heraus fühlen wir Traurigkeit, sehr tiefe Traurigkeit, manchmal Frustration, aber nie Depression, Schuld, Ärger oder Scham.
(aus: Den Schmerz überwinden, der zwischen uns steht)

Natürlich kannst du über deine (Selbst-)Enttäuschungen auch einfach hinweggehen. Aber eine Denkdiät zu machen, das bedeutet nicht, einen Smiley auf schmerzhafte (innere) Erfahrungen zu kleben. Das würde nur dein emotionales Mülldepot vergrößern, das unerkannt vor sich hin giftet.

Die Denkdiät ermutigt dich dazu, dein Leben in allen Höhen und Tiefen voll auszukosten. Gefühle, die gefühlt werden, verschwinden. Immer. Sie machen Platz für neue Gefühle, für dein Leben im Jetzt – dafür, dass du dich wirklich lebendig fühlst.

3. Lass die Korken knallen!

Ist das Missglückte betrauert, dann hast du freie Bahn zu feiern. Klopf dir auf die Schulter! Schenke dir großzügigst Anerkennung für alles, was du gut gemacht hast im letzten Jahr! Lass dich hochleben für jeden noch so kleinen Schritt! Verwöhn dich, schenk dir Blumen, stoß mit dir an.

Und wenn du dich so richtig freuen willst, dann triff dich mit lieben Menschen, um eure Erfolge gemeinsam zu feiern. Vielleicht hast du auch Lust, ein paar deiner Erfolge oder Erkenntnisse hier im Kommentar mit uns zu teilen. Nur zu! Das tut dir nicht nur selber gut, sondern ermutigt auch andere …

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