Foto: mechanisches Gehirn

Bereit, freier und glücklicher zu sein? (Gedankenlaufband #2)

Und, hast du das Zauberwort ausprobiert? Mit meiner eigenen Erleuchtung war es nicht so weit her in letzter Zeit, da konnte ich das “Aha” für Mini-Erleuchtungsinseln gut gebrauchen. Aber wie und warum wirkt es überhaupt? Das schauen wir uns heute, wie versprochen, an.

Stell dir deinen Verstand wie einen iPod vor, der gigantische Mengen an Songs speichern kann. Da drauf ist alles, was du in deinem Leben je gehört, gesehen, erlebt, gedacht hast. Besonders viel Speicherplatz nimmt all das ein, was du bis zu deinem 6. Lebensjahr “aufgenommen” hast. Während nämlich das Gehirn eines Erwachsenen im Alltag in Beta-Wellen schwingt (13 – 30 Hz), schwingt ein Kinderhirn auch tagsüber in Theta-Wellen (4 – 7 Hz): dem Frequenzbereich, den wir als Erwachsene nur im Schlaf erreichen oder wenn wir uns hypnotisieren lassen oder mit anderen Methoden in Trance geraten. *)

Ein Kind lebt also ständig im Trancezustand, und da gibt es keine Grenzwächter, die das Aufgenommene prüfen:
Der Papa sagt: “Du bist unmusikalisch, das liegt bei uns in der Familie”? Du glaubst es.
Wenn du schmollst, bekommst du, was du willst? Du machst es zu (d)einer Beziehungsstrategie.

Das hat den Vorteil, dass du ungeheuer schnell und viel lernst: laufen, sprechen (das geht später nie wieder so leicht, wie alle wissen, die Fremdsprachen lernen), radfahren, Beziehungsmuster, Problemlösungsstrategien.

Jahr für Jahr verringert sich der Theta-Anteil der Gehirnwellen im Wachzustand, bis wir in der Pubertät, spätestens als junge Erwachsene ganz in Beta schwingen. Ab jetzt ist der Großteil unserer Gedanken Wiederholung. Der iPod spielt sein Programm ab. Es gibt einen Reiz – Problem, Erlebnis, Schlüsselwort, … – der iPod springt automatisch an die entsprechende Stelle und spult sein Gedankenprogramm ab. Das ist “Gedanken haben”. So erlebst du immer seltener etwas frisch und neu, weil der Verstand ständig kommentiert, bewertet, mit früheren Erfahrungen vergleicht und alles zurückweist, was die gespeicherten Überzeugungen in Frage stellt.

Bei dir ist das anders und du erlebst deinen Alltag immer wieder frisch und neu? Herzlichen Glückwunsch! Bevor du dir das Frisch-und-neu-Zertifikat an die Wand hängst, überlege bitte noch Folgendes:

  • Neigst du dazu, dir Sorgen zu machen? Dann mag der Anlass deiner Sorgen jeweils neu sein, aber das Muster “Sorgen” spielst du immer wieder ab. Auch, wenn es dir als die einzig vernünftige Möglichkeit erscheinen mag, das Leben zu betrachten, ist das nichts weiter als eine Denkgewohnheit. Das Laufband lässt grüßen.
  • Bist du leicht gekränkt oder fühlst dich schnell einmal übervorteilt / besser als andere / unsicher / dumm / … : Wenn diese Denkmuster auf deinem iPod gespeichert sind, brauchst du nur einen kleinen Reiz wie einen scheinbar bösen Blick oder du bist einfach müde (die Möglichkeiten sind unendlich) und zack! spielt der Verstand die altvertrauten Aufnahmen ab.

Manche dieser Denkmuster sind nützlich und dienen dir ganz wunderbar. Bloß behalten! Aber manche machen dein Leben stressiger (z. B. Sorgen), ärmer (“Trau ich mich nicht.”) und anstrengender (“Muss ich alleine schaffen.”), als es sein müsste.

Bereit, freier und glücklicher zu sein?

Dann verrate ich dir hier meine drei besten Tipps dafür. Nicht, dass ich sie selbst immer anwenden würde, aber wenn ich es tue, wirken sie immer. Jedes einzelne Mal.

1. Nutze so oft wir möglich das Zauberwort: Aha.
Dabei geht es, um ein Trendwort zu verwenden, um nichts anderes als um Achtsamkeit. Nimm wahr, wie es dir geht, wie du etwas erlebst – und sag einfach “aha” dazu. Das ist der Schlüssel für absichtsloses Wahrnehmen und das Ende bewusstloser Gewohnheiten.

Achtung, dabei gibt es einen Fallstrick: Du bemerkst etwas und wieder zack! bewertet und kommentiert das der auf dem iPod gespeicherte Verstand: “Mensch, jetzt hast du schon wieder …!” “Das muss ich unbedingt ändern.”  und so weiter und so fort. Auch das sind nichts anderes als Gedankenmuster. Sich dafür zu verurteilen, dass man sich verurteilt, sich darüber zu ärgern, dass man sich ärgert, deprimiert zu sein, weil man deprimiert ist – damit rennst du auf dem ganz alltäglichen Gedankenlaufband. Was tun? Ganz einfach: Wenn es dir auffällt, sag wieder “aha” dazu.

2. Bewege dich oder schaffe Ordnung 
Heute bin ich gemütsmäßig etwas “wackelig” aufgewacht. Nachdem ich fünf Minuten auf dem Trampolin gesprungen bin, ein paar Fenster geputzt, Wäsche gewaschen und den Geschirrspüler ausgeräumt habe, bin ich jetzt so tatenlustig und gut gelaunt, dass ich mich an diesen Blogartikel setze, obwohl Samstag ist.

Dass Bewegung Glückshormone freisetzt ist hinlänglich erforscht, und wer Ordnung schafft, spürt die Befriedigung, eben etwas geschafft zu haben.

3. Lasse dich inspirieren 
Wie oft hat mich an trüben Tagen ein Impuls aus dem Sumpf gezogen, den ich aus einem Buch, einem Podcast, einem Film, einem Gespräch, einer Ausstellung bekommen habe. Manchmal stecken wir fest, weil wir frische Eindrücke brauchen, Inspiration. Dann kann es genau das Richtige sein, die Pflicht Pflicht sein zu lassen und stattdessen die Seele zu nähren. Das kann einmal ein ganzer Tag sein, ein anderes Mal reichen fünf Minuten, in denen du durch ein Lieblingsbuch blätterst.

Vielleicht lässt du dich von diesem Artikel inspirieren, das würde mich freuen. Und natürlich darfst du die Seele auch an guten Tagen nähren – sie wird es dir lohnen.

*)
Der Dalai Lama hat die Gehirnwellen eines Kindes :)

Ein Gedanke zu „Bereit, freier und glücklicher zu sein? (Gedankenlaufband #2)

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