Spruchbild: Gerecht? Ungerecht? Ist doch egal.

Die Herausforderung – 4. Woche

Unrecht zu erleiden ist bedeutungslos, bis man sich immer wieder daran erinnert.
Konfuzius

Ein alter Mann eilt ans Totenbett seines Bruders.

„Wollen wir nicht wenigstens jetzt unseren Frieden machen?“

Der Bruder presst die Lippen zusammen und dreht das Gesicht zur Wand.

„Wenn ich es nur verstehen könnte“, sagt der der alte Mann und schüttelt bekümmert den Kopf.

„Du warst immer Mamas Liebling“, presst der Bruder hervor, „sogar von meinem Geburtstagskuchen hast du damals das größere Stück bekommen.“

Das ist leider eine wahre Geschichte. Leider, weil so viel Leid drinnen steckt. Jahrzehnte der seelischen Qual, immer wieder aufgerührt durch erbittertes Erinnern an die erlittene Ungerechtigkeit.

Bist du vollkommen? Deinen Heiligenschein sehe ich nicht allzu blendend strahlen, es dürfte also noch genug Irdisch-Menschliches in dir enthalten sein. Wie du ja weißt, ist irren menschlich. Fehler machen ist menschlich. Ungerecht sein ist menschlich. Es ist nicht besonders schön, nicht besonders begrüßenswert, erstrebenswert schon gar nicht – aber es kommt vor. Ab und zu bist du selbst schon ungerecht gewesen, und ich natürlich auch; bei mir ist ja noch nicht einmal der Ansatz eines Heiligenscheins zu sehen.

Du und ich, wir haben immer die Wahl: Wollen wir auf Gerechtigkeit bestehen oder lieber glücklich sein?

Natürlich darfst du für dich einstehen, das Thema hatten wir ja schon. Wenn es Zeit ist, dich aufzurichten und zu sagen: „Bis hierher und nicht weiter!“ oder „Das steht mir zu und ich bestehe auch darauf!“, dann tu’s. Aber achte dabei auf die Grenze zwischen Gerechtigkeit und Selbstgerechtigkeit. Denn wohin es führen kann, Gerechtigkeit erzwingen  zu wollen, zeigt uns eine erfundene Geschichte ganz wunderbar: Michael Kohlhaas. Ihn kostet es den Kopf und viele andere  Gut und Leben.

Wir Nicht-Heldinnen und –Helden haben ja eher mit simplen Ungerechtigkeiten zu tun, wie  kleineres Kuchenstück bekommen oder Vorfahrt genommen. Ist es wirklich wert, dass du dich darüber aufregst? Denk an den Physiker Stephen Hawking. Nachdem er schon Jahrzehnte im Rollstuhl verbracht hatte und sich nur noch mithilfe eines Sprachcomputers verständlich machen kann, sagte er in einem Interview:

„Vor der Diagnose meiner Krankheit hat mich das Leben ziemlich gelangweilt.  Alles schien mir sinnlos. Aber kurz nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, träumte ich, dass ich zum Tode verurteilt worden sei. Da erkannte ich plötzlich, dass es viele lohnenswerte Dinge gab, die ich tun konnte, wenn ich weiterleben würde.“

Wie ungerecht das Leben dich auch behandeln mag, du hast immer die Freiheit, das Beste daraus zu machen.

Der Denkdiät-Club hilft dir dabei.

Die Herausforderung der Woche: Verzichte doch einmal in einer kleinen Sache auf dein Recht und wünsche dem Ungerechten von Herzen das Beste. Der mag zwar ungestraft davonkommen, aber dir wird es dabei blendend gehen. Lass dir einen Schubs geben von Hannah Arendts Worten: Verzeihen ist der Schlüssel zu Taten und Freiheit.

Das ist es doch wert, nicht wahr?

4 Gedanken zu „Die Herausforderung – 4. Woche

  1. Anette

    Liebe Freundin,

    herzerfrischend ist deine Denkdiät! Finde diese wöchentlichen Anregungen richtig klasse und nehme mir diese 4. Woche gleich mal zu Gemüte. War richtig schön gestern mit dir und ein wahrlich angenehmer Ausklang meiner Tagungstage.

    oooxxx
    Anette

    Antworten
  2. Reingard Gschaider Artikelautor

    Klasse, dass dir die Denkdiät gefällt, liebe Anette. Ich finde sie selbst immer wieder hübsch herausfordernd :-). Dann auf Wiederlesen nächste Woche …

    Herzlichst,
    Reingard

    Antworten
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