Foto: Talbachklamm, Schladming

Waldbaden

“Mein Freund, der Baum”, sang Alexandra vor Jahrzehnten, und seit einiger Zeit ist sogar wissenschaftlich erwiesen, was wir aus Erfahrung ohnehin schon wussten:

Der Wald wirkt therapeutisch.

Yoshifumi Miyazaki ist Japans führender Wissenschaftler im Bereich der Waldmedizin. Er fand heraus, dass bei Menschen, die einen Wald nur anschauten, der Stresshormonpegel bereits um 13,4 Prozent sank.

Koreanische Forscher ließen 43 ältere Frauen eine Stunde lang durch den Wald spazieren und 19 Frauen durch die Stadt.  Bei den Probandinnen, die durch den Wald spazierten, war der Blutdruck signifikant gesunken, die Lungenkapazität war gestiegen und Arterien waren elastischer geworden. Keine Unterschiede ergaben hingegen die Messwerte bei den Stadtspaziergängerinnen.

In einer ähnlichen japanischen Studie mit 280 Teilnehmern konnten sich die “Waldmenschen” im Unterschied zu den “Stadtmenschen” bereits nach einer Stunde über einen auffallend niedrigen Blutdruck freuen. Der Puls beruhigte sich erheblich und auch der Spiegel an Stresshormonen sank.

Waldbäder gegen Krebs

Im Jahr 2004 erwies eine ebenfalls japanische Studie am Zentrum für Medizin Nippon (Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit), dass Waldspaziergänge nicht nur die Entstehung verschiedener Anti-Krebs-Proteine fördert, sondern auch die Bildung ungewöhnlich hoher Mengen sogenannter natürlicher Killerzellen (NK-Zellen). Man beobachtete zwölf Männer im Alter von 37 bis 55 Jahren, die unter  starkem Stress litten und zum Spazierengehen in den Wald geschickt wurden. Bereits am ersten Tag hatte sich die Aktivität ihrer NK-Zellen um 26,5 Prozent erhöht, am zweiten Tag schon um sagenhafte 52,6 Prozent.

Gibt es bei uns auch bald Outdoor-Kliniken?

In Japan werden nun sogar Outdoor-Kliniken gegründet. Bereits 1982 entstand im Akazawa Natural Recreation Forest das Konzept des Shinrin yoku, des Waldbadens, 2006 folgte die offizielle Anerkennung als Wald-Therapie-Zentrum.

„Wir wurden so geschaffen, dass wir in eine natürliche Umgebung passen“, sagt der Waldmediziner Miyazaki. „Wenn wir uns inmitten der Natur aufhalten, werden unsere Körper wieder zu dem, was sie einmal waren.“

Erich Kästner ist auch einer, der das schon immer wusste:

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden. 

Also, auf in den Wald! Dort wirkt eine Denkdiät besonders gut …

Ein Gedanke zu „Waldbaden

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