Foto: Faultier

Was wirklich hinter Verschieberitis steckt und wie sie augenblicklich verschwindet (1)

Ich bin eine Ausweichkünstlerin. Das ist sehr nützlich, wenn Panzer auf einen zurollen oder Passanten auf ihr Smartphone starren. Weniger nützlich ist diese Kunst bei Schattenmonstern. Was das mit Prokrastination*) zu tun hat? Zeige ich dir gleich.

Was schreckt mich eigentlich ab?

Stell dir einen Fliederbusch vor. Die Sonne steht hoch am Himmel, er wirft keinen Schatten. Du nimmst deine Gartenschere, es ist Herbst, und du schneidest die dürren, abgeblühten Triebe weg.

Und jetzt stell dir vor, die Sonne geht gerade auf. So schräg beleuchtet, wirft der Fliederbusch einen langen, wilden Schatten: Aus dem Augenwinkel sieht der monstermäßig aus und jagt dir einen Schrecken ein. (Okay, das ist übertrieben, aber du verstehst die Metapher.)

In den letzten Tagen war ich ein bisschen wacher als sonst. Da ist mir aufgefallen, dass ich immer dann ausweiche, wenn mir noch nicht klar ist, wie ich eine Aufgabe bewältigen kann:

  • Ich weiß noch nicht, was ich auf diese E-Mail antworten soll.
  • Den Kunden kenne ich noch nicht: Welches Angebot passt zu ihm?
  • Für den Antrag brauche ich noch diese und jene Daten. Bis ich die zusammen habe, herrje, was für ein Aufwand!
  • Ich hab zwar eine Idee für einen neuen Artikel, aber ob mir dann auch genug einfällt?

So wird die Bank länger, auf der die unerledigten Sachen liegen. Und dann, kennst du das auch? Dann ist der Tag da, an dem die Sache erledigt sein MUSS. Ausweichen geht nicht mehr, du tust es einfach – und ratzfatz ist es erledigt. Es ging flotter, als du befürchtet hattest. Als du mal mittendrin warst, sind dir gute Ideen gekommen und Lösungen eingefallen.

Warum erledigst du’s dann nicht gleich?

Vielleicht, weil du nicht die Aufgabe selbst siehst, sondern nur den Riesenschatten, den sie wirft.

Seit mir das bewusst geworden ist, sehe ich mir jeden Tag – und oft sogar mehrmals am Tag – beim Ausweichen zu. Damit verblüffe ich mich immer wieder. Schließlich habe ich mich gefragt, warum ich vor allem am Anfang ausweiche, bevor ich überhaupt loslege? Es liegt, kaum zu glauben, am Sonnenstand:

Wenn mir das Leben nämlich eine Aufgabe präsentiert, ist für eben diese Aufgabe gleichsam noch Morgen. Die Sonne meiner Aufmerksamkeit / Hingabe / Kompetenz steht noch tief, die Herausforderung wirft einen riesigen Schatten: Jetzt noch das Geschirr wegräumen oder den Artikel schreiben? Das übersteigt meine Kräfte!

a) Ich weiche aus.
Die Sonne bleibt knapp über dem Horizont stehen, die Monsterschatten schrecken mich weiter.

b) Ich fange an.
Die Sonne meiner Aufmerksamkeit / Hingabe / Kompetenz steigt. Ich sehe plötzlich die Aufgabe selbst, die zu tun ist, und der Schatten verschwindet.

Wenn du dich jetzt fragst,
-> wie du von a) nach b) kommst und
-> was sonst noch hinter der Verschieberitis steckt, dann lies wieder hier vorbei. Ich freue mich auf dich.

[*) Prokrastination (lateinisch procrastinare „vertagen“; Zusammensetzung aus pro „für“ und cras „morgen“), auch extremes Aufschieben, ist eine Arbeitsstörung, die durch ein nicht nötiges Vertagen des Arbeitsbeginns oder auch durch sehr häufiges Unterbrechen des Arbeitens gekennzeichnet ist, sodass ein Fertigstellen der Aufgaben gar nicht oder nur unter enormem Druck zustande kommt.]

Ein Gedanke zu „Was wirklich hinter Verschieberitis steckt und wie sie augenblicklich verschwindet (1)

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