Foto: Barbapapa, Spielfiguren

Was wirklich hinter Verschieberitis steckt und wie sie augenblicklich verschwindet (3)

Kennst du Barbapapa? Diese reizenden Zeichentrickfiguren können sich in jede beliebige Form verwandeln – genauso, wie unser innerer Sklaventreiber. Die Stimme, mit der er dich auffordert, endlich den Hintern hochzukriegen, ist nämlich dieselbe Stimme, die ihm trotzt und antwortet: “Du kannst mich mal!”

  • Diese Stimme kann sich auch in einen Sorgen-Barbapapa verwandeln,
  • sie kann als Pechvogel auftreten (“Immer ich!”),
  • als Diva (“Unverschämt! Das steht mir zu!”),
  • als Pfau (“Habe ich das nicht großartig gemacht?”)
  • und in tausend anderen Gestalten – mal lieb, wie die zuckerwattebunten Original-Barbapapas, mal fies, größenwahnsinnig oder verkniffen. Und in all diesen Formen tut die Stimme so, als wäre sie du.

Achtung: Die Stimme in deinem Kopf tut so, als wäre sie du.

Sie kommentiert alles, was du tust, denkst und erlebst; sie will dich ständig verbessern und erziehen; ab und zu lobt sie dich, aber letztlich ist sie nie, nie, nie mit dir und dem Leben zufrieden. Wer um Himmels Willen ist diese Stimme? Tja, es ist die gigantische mp3-Datei, die in Dauerschleife auf deinem iGehirn spielt. Hier habe ich das ja schon beschrieben.

Diese Stimme sagt “ich” und verwendet deinen Namen, sodass du sie leicht mit dir verwechseln kannst. Aber DU bist das lebendige Wesen, das hier und jetzt atmet, diese Zeilen liest, da ist. Du erlebst jeden Moment frisch und neu, weil jeder Moment frisch und neu IST. Und wenn du eben zum tausendsten Mal den Computer eingeschaltet haben solltest:

  • Dein Finger hat den Einschaltknopf ganz frisch berührt und gespürt;
  • das technische Wunder von Rechner und Bildschirm haben sich ganz frisch vor dir entfaltet.

Wärst du da gewesen, hättest du davon entzückt sein können. Aber wahrscheinlich warst du nicht da, sondern “hattest Gedanken“. Du bist in deiner Gedankenwelt verloren gegangen. “Gedanken haben”, das ist dieser ständige Kommentar, der dich aus der Realität entführt und dir damit das Leben raubt, dein Lebendigsein im Augenblick.

Gedanken werden überbewertet.

Woher ich das weiß? Ich bin selbst noch viel zu oft die Geisel meiner Gedanken. “Viel zu oft” – hast du es bemerkt? Das kam auch von meiner mp3-Datei. Die Stimme darauf beurteilt mich pausenlos, so wie die Stimme in deinem iGehirn dich ständig  beurteilt. Dieselbe Stimme in anderer Gestalt wehrt sich dann gegen dieses Urteil, sie verurteilt den Verurteiler.

Frisch zu denken ist großartig, aber meistens glauben wir nur, dass wir denken. In Wahrheit spielt das iGehirn die gespeicherte mp3-Datei ab. Ein hübsches Schlamassel, nicht wahr?

Finde die Tür zurück ins (Er-) Leben

Dabei ist die Tür zurück in die Wirklichkeit immer nur einen Atemzug entfernt. Den Schlüssel, der sie öffnet, nennen viele Achtsamkeit; du kannst aber auch einfach Da-Sein dazu sagen, Wahrnehmen-was-Ist.

Was das alles mit Verschieberitis zu tun hat? Diese mp3-Stimme lähmt dich, wenn du sie mit dir verwechselst:

  • “Oh nein, das kann ich nicht auch noch schaffen.”
  • “Mach endlich, stell dich nicht so an!”
  • “Das geht über meine Kräfte.”
  • “Du musst!”
  • “Ich muss gar nichts!”
  • ” … “
  • “Oje, warum habe ich das nicht schon gestern erledigt?”

Und so weiter bis zur Bahre.

Spürst du beim Lesen nicht allen Lebenssaft versickern? Kein Wunder, wenn keine Energie mehr übrig bleibt, um das zu erledigen, was dir das Leben gerade vor die Nase stellt. Barbapapa hat sich in Fesseln und Gefängnismauern verwandelt. Wie du da wieder herauskommst, schauen wir uns nächste Woche an.

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