Spruchbild: Depression, Angst und Paranoia haben uns ausgezeichnet gedient.

Kennst du dein Schlecht-Wetter-Hirn?

Vielleicht fragst du dich manchmal, warum in aller Welt du ständig Katastrophen siehst oder aus  Mücken Elefantendramen machst. Dr. Martin Seligman meint, es liege an der Eiszeit: Wer damals dachte, morgen würde es bestimmt sehr schön, hat nicht überlebt. Die Sorgenmacher, die vorsichtigen Bedenkenträger, die Katastrophenseher, die haben überlebt und ihre Gene an uns weiter gegeben.

Unsere menschliche Geschichte ist voll von lebensbedrohlichen Ereignissen. Naturkatastrophen (oder einfach schlechtes Wetter), Hunger, Krankheiten, Krieg – Angst zu haben und sich vorzusehen waren da sehr gute Ideen. So wurden wir zu Schwarzsehern, denn schließlich hat uns das als Spezies überleben lassen. Seligman bringt es auf den Punkt:

„Depression, Angst und Paranoia haben uns ausgezeichnet gedient.“

Aber ist das immer noch so? Mit der Eiszeit-Mentalität ist es jedenfalls kaum möglich, die guten Dinge zu genießen, die sich die Menschheit inzwischen erarbeitet hat. Und sie ist selbst zu einem Verursacher von Stress, zu einem Problem geworden. „Ziehe in Erwägung“, fordert Seligman auf, dass menschlicher Fortschritt tatsächlich existiert, und dass Wohlstand, eine gute Welt, ein gutes Leben, nicht jeden Tag eine Tragödie zu erleben – dass dies die normale Art zu Leben ist.“

Kannst du das glauben? Wahrscheinlich nicht, wenn du die Welt mit der Eiszeit-Mentalität  betrachtest; da reicht ein Blick auf die Schlagzeilen, um sich von Dramen und Katastrophen überwältigen zu lassen. Dabei könntest du deine Aufmerksamkeit auch ganz anderen Sachen schenken: Zum Beispiel dem Vorstand einer Bank, der sich zu einem spirituellen Leben bekennt und, nicht nur das, alle seine Mitarbeiter darauf einschwört.

Damit es uns in der heutigen Welt optimal dienen kann, braucht das Schlecht-Wetter-Hirn  dringend Entwicklung: vielleicht nicht zum Gut-Wetter-Hirn (schließlich gibt es noch genug Herausforderungen, mitunter auch existenzielle), aber doch zum All-Wetter-Hirn, das gutes Wetter und gute Bedingungen als das anerkennt, was sie sind – nämlich: gut. Damit wären wir für unseren Alltag im 21. Jahrhundert viel besser gerüstet.

Und darum, meint Dr. Seligman *), sollten wir einen optimistischen Blick auf die Welt pflegen, rechtfertigen und unterstützen. Dafür, ist er überzeugt, brauchen wir Unterweisung und Bildung, Kurse und Lehrgänge. Es stimmt mich froh, dass auch mein Blog einen kleinen Beitrag dazu leistet, so wie auch viele andere – zum Beispiel die von Sascha Ballach und myMonk Tim Schlenzig.

Also: Lass Sonne ins Hirn! 🙂

 

*)
Die Zitate entstammen einer Vorlesung, die Dr. Martin Seligman an der University of Pennsylvania gehalten hat.

2 Gedanken zu „Kennst du dein Schlecht-Wetter-Hirn?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)